Selbstkontrahieren: 3 Gründe für die Befreiung in der Vollmacht
Das Selbstkontrahieren (auch Insichgeschäft genannt) ist eine gesetzliche Beschränkung im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 181 BGB). Es untersagt einem Vertreter grundsätzlich, Rechtsgeschäfte mit sich selbst im Namen des Vertretenen abzuschließen. Was kompliziert klingt, hat einen einfachen Hintergrund: Der Gesetzgeber möchte Interessenkonflikte vermeiden. Niemand soll „beide Seiten eines Vertrages“ gleichzeitig unterschreiben.
Warum das Selbstkontrahieren zum Problem werden kann
Stell dir vor, du bist bevollmächtigt und möchtest den Laptop des Verstorbenen übernehmen oder eine Firmen-Domain auf dich übertragen. Ohne eine explizite Befreiung vom Selbstkontrahieren wäre dieser Kauf- oder Übertragungsvertrag rechtlich schwebend unwirksam. Du dürftest dir den Laptop nicht eigenhändig übertragen, da du gleichzeitig als Verkäufer (für den Verstorbenen) und als Käufer (für dich selbst) auftreten würdest.
3 Gründe, warum eine Befreiung von § 181 BGB essenziell ist
In einer professionellen Vorsorge- oder Geschäftsvollmacht ist der Verzicht auf diese gesetzliche Regelung Standard. Hier sind die wichtigsten Gründe:
- Übertragung digitaler Vermögenswerte: Krypto-Wallets, Domains oder Social-Media-Accounts müssen oft schnell auf den Bevollmächtigten übertragen werden, um den Betrieb zu sichern. Das Selbstkontrahieren würde diesen Prozess massiv blockieren.
- Abwicklung von Fixkosten: Wenn der Bevollmächtigte Auslagen für die Bestattung oder das Unternehmen aus eigener Tasche vorstreckt, muss er sich diese vom Konto des Erblassers zurückerstatten können. Technisch gesehen ist auch das ein Insichgeschäft.
- Vermeidung von Stillstand: Ohne die Befreiung müsste für viele einfache Geschäfte erst ein Ergänzungspfleger vom Gericht bestellt werden. Das kostet wertvolle Zeit und Geld.
Selbstkontrahieren im digitalen Nachlass
Besonders beim digitalen Nachlass zeigt sich die Tücke des Paragraphen. Wenn du als digitaler Nachlassverwalter eingesetzt bist, musst du oft Lizenzen ummelden oder Accounts schließen. Jede Handlung, bei der du als Vertreter und gleichzeitig als Privatperson auftrittst, unterliegt dem Verbot zum Selbstkontrahieren. Eine moderne Vollmacht sollte daher immer den Satz enthalten: „Der Bevollmächtigte ist von den Beschränkungen des § 181 BGB befreit.“
Häufige Fragen (FAQ)
Was genau bedeutet Insichgeschäft?
Ein Insichgeschäft liegt vor, wenn eine Person auf beiden Seiten eines Vertrages steht – einmal als Vertreter einer anderen Person und einmal im eigenen Namen. Das Selbstkontrahieren ist die rechtliche Bezeichnung dafür.
Ist die Befreiung vom Selbstkontrahieren gefährlich?
Es erfordert großes Vertrauen. Wer vom Verbot zum Selbstkontrahieren befreit ist, hat theoretisch die Macht, Vermögenswerte an sich selbst zu übertragen. Deshalb sollte diese Befreiung nur absolut vertrauenswürdigen Personen erteilt werden.
Kann man die Befreiung nachträglich erteilen?
Nein, die Vollmacht muss diesen Passus bereits enthalten. Nachträglich kann nur ein Gericht oder die Erben (nach dem Tod) solche Geschäfte genehmigen, was jedoch oft zu Konflikten führt.