Hast du schon einmal eine Geburtstagserinnerung für einen Freund bekommen, der bereits verstorben ist? Das Thema Facebook & Instagram nach dem Tod zu regeln, ist ein emotionales, aber notwendiges Thema. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du verhinderst, dass deine Profile zu „Geisterprofilen“ werden.
Es ist ein schmerzhafter, fast schon erschreckender Moment. Du starrst auf den Bildschirm und weißt nicht, was du tun sollst. Diese kleine Benachrichtigung ist eine deutliche Mahnung: Während unser physisches Leben endet, können unsere digitalen Profile unendlich lange weiterbestehen. Den digitalen Nachlass bei Facebook und Instagram zu regeln, gehört heute zu einer verantwortungsvollen Vorsorge – und doch schieben es die meisten weit weg.
Wir leben in einer Zeit, in der unsere Biografien in Posts, Stories und Nachrichten geschrieben werden. Diese Apps sind Archive unserer Erinnerungen. Doch was passiert mit diesem Erbe, wenn wir nicht mehr da sind?
In diesem Guide zeige ich dir in 7 Schritten, wie du Facebook und Instagram für dich selbst absicherst oder wie du als Angehöriger das Profil eines geliebten Menschen verwaltest.
1. Warum du Facebook & Instagram nach dem Tod nicht dem Zufall überlassen darfst
Viele denken, dass Accounts bei Inaktivität einfach irgendwann verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall.
Das Phänomen der „Geisterprofile“
Ohne aktives Eingreifen bleibt ein Profil live. Es erscheint weiterhin in der Suche, in den Vorschlägen („Personen, die du kennen könntest“) und erinnert alle Kontakte jährlich an den Geburtstag. Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2070 mehr Verstorbene als Lebende auf Facebook existieren könnten. Ohne Plan erschaffen wir einen riesigen digitalen Friedhof ohne Totengräber.
Die Risiken, wenn du nichts tust:

- Identitätsdiebstahl: Inaktive Profile sind Goldminen für Hacker. Sie kapern Accounts, um im Namen der Verstorbenen Freunde um Geld zu bitten oder Fake-News zu verbreiten.
- Emotionale Belastung: Algorithmen haben keine Empathie. Sie fordern Hinterbliebene auf, mit dem Verstorbenen „erneut Kontakt aufzunehmen“.
- Verlust des Lebenswerks: Für Creator oder Künstler ist ein Instagram-Feed ein Portfolio. Wird der Account wegen eines Hacks oder Richtlinienverstoßes gelöscht, ist das Werk von Jahrzehnten weg.
2. Zwei Wege: Gedenkzustand oder Löschung

Meta (der Mutterkonzern) bietet dir zwei klare Optionen an.
Option A: Der Gedenkzustand (Das digitale Denkmal) Das Profil wird zu einem Ort der Erinnerung.
- „In Erinnerung an“: Dieser Schriftzug erscheint neben dem Namen.
- Sicherheit: Niemand kann sich mehr aktiv einloggen – auch nicht mit Passwort. Das schützt vor Hacker-Angriffen.
- Inhalte bleiben: Fotos und Beiträge bleiben für die Zielgruppe sichtbar, mit der sie geteilt wurden.
Option B: Dauerhafte Löschung Der „tabula rasa“-Ansatz. Das Konto wird komplett vom Server entfernt. Alle Fotos, Kommentare und Vernetzungen verschwinden unwiderruflich.
3. Facebook: Der Goldstandard der digitalen Vorsorge
Facebook ist die einzige Plattform, die es dir erlaubt, schon zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt zu benennen.
Der Nachlasskontakt: Dein digitaler Testamentsvollstrecker
Diese Person verwaltet dein Profil, sobald es in den Gedenkzustand versetzt wurde.
Was ein Nachlasskontakt DARF:
- Einen fixierten Beitrag schreiben (z.B. Infos zur Trauerfeier).
- Profil- und Titelbild aktualisieren.
- Neue Freundschaftsanfragen annehmen.
- Die Löschung des Kontos beantragen.
Was ein Nachlasskontakt NICHT DARF:
- Deine privaten Nachrichten (Messenger) lesen.
- Alte Posts oder Fotos löschen oder ändern.
- Sich als „du“ einloggen.
Schritt-für-Schritt: Nachlasskontakt einrichten

Das dauert keine 2 Minuten:
- Einstellungen & Privatsphäre -> Einstellungen.
- Klicke auf Kontenübersicht (Meta).
- Persönliche Informationen -> Kontoinhaberschaft und Kontrolle.
- Wähle Gedenkzustand und bestimme eine Person aus deiner Freundesliste.
4. Instagram: Der Nachzügler
Obwohl Instagram zu Meta gehört, gibt es hier (Stand 2026) noch keinen Nachlasskontakt, den man vorab bestimmen kann. Ein Profil kann nur nachträglich von Angehörigen in den Gedenkzustand versetzt oder gelöscht werden. Hierfür muss ein Nachweis (z.B. Link zum Nachruf oder Sterbeurkunde) eingereicht werden.
Mein Tipp für Instagram
Nutze einen „Link im Bio“-Dienst wie Linktree. Wenn du deine Zugangsdaten für Linktree in einem Passwort-Manager hinterlegst, kann deine Vertrauensperson zwar nicht dein Instagram-Profil ändern, aber den Link in deiner Bio auf eine Gedenkseite oder Traueranzeige umleiten.
5. Daten sichern: Erinnerungen retten
Bevor ein Konto gelöscht wird: Stopp! Einmal gelöscht, sind alle Bilder und Kommentare weg.
- Zu Lebzeiten: Nutze die Funktion „Deine Informationen herunterladen“ in den Einstellungen regelmäßig als Backup.
- Als Erbe: In Deutschland hat der BGH entschieden, dass Erben grundsätzlich Zugriff auf das digitale Konto haben (analog zum physischen Tagebuch). Dennoch verweigert Meta oft den Zugang zu Nachrichten. Der Nachlasskontakt kann aber (wenn du es erlaubst) ein Archiv deiner Fotos und Beiträge herunterladen.
6. Recht & Ethik: „Ich habe doch das Passwort!“
Darf ich mich einfach einloggen? In Deutschland ist das rechtlich durch das Erbrecht gedeckt, aber technisch riskant.
- Die Sperr-Falle: Wenn Meta merkt, dass ein Login von einem neuen Gerät erfolgt, nachdem eine Sterbeurkunde eingereicht wurde, wird der Account oft sofort dauerhaft gesperrt.
- Der bessere Weg: Nutze das Passwort nur, um sofort die wichtigsten Fotos zu sichern. Danach solltest du den offiziellen Weg über den Gedenkzustand gehen.
7. Dein Handlungsplan für Facebook & Instagram nach dem Tod
- Entscheide: Willst du online bleiben oder gelöscht werden?
- Benenne: Setze heute noch deinen Nachlasskontakt bei Facebook ein.
- Dokumentiere: Schreibe für Instagram in deine digitale Inventarliste, was mit dem Account passieren soll.
- Sichere den Zugriff: Sorge dafür, dass deine Vertrauensperson Zugriff auf deinen Passwort-Manager oder dein Handy hat. Das ist der „Generalschlüssel“.
FAQ – Häufige Fragen
- Was passiert mit Gruppen? Wenn du alleiniger Admin bist, werden sie „führerlos“. Erenne rechtzeitig einen zweiten Admin.
- Kostet das etwas? Nein, diese Funktionen sind bei Meta kostenlos.
- Kann man den Gedenkzustand rückgängig machen? In der Regel nicht. Es ist eine finale Entscheidung.
Fazit: Ein letzter Akt der Fürsorge
Seinen digitalen Nachlass zu regeln, fühlt sich vielleicht merkwürdig an. Aber sieh es so: Es ist ein Akt der Liebe. Du ersparst deinen Angehörigen bürokratische Hürden und das Leid, mit unkontrollierten Geisterprofilen konfrontiert zu werden.
Nimm dir heute 5 Minuten Zeit. Setze deinen Nachlasskontakt. Schaffe Klarheit.
