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Eine Person beim Testament schreiben um die Familie und den digitalen Nachlass abzusichern

Testament schreiben: 7 ultimative Schritte, um deine Familie abzusichern

Viele behandeln das Thema Testament schreiben wie eine Wurzelbehandlung: Etwas, das man so lange wie möglich aufschiebt. Wir denken, es bringt Unglück, oder wir glauben, wir seien noch zu jung.

Doch ein Testament handelt nicht vom Tod. Es handelt vom Leben. Es ist der letzte, mächtige Liebesbrief, den du an die Menschen schreiben kannst, die dir am wichtigsten sind.

Wenn du ohne Testament stirbst (gesetzliche Erbfolge), entscheidet der Staat, wer dein Geld, dein Haus und – was am meisten Angst macht – deine Kinder bekommt. Dieser Guide bricht das komplexe Juristendeutsch in 7 machbare Schritte herunter, damit du heute noch dein Testament schreiben kannst – mit einem speziellen Fokus auf deine digitalen Werte.


Warum du nicht warten darfst, um dein Testament zu schreiben

Bevor wir zu den Schritten kommen, musst du das Risiko verstehen. Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge. Das führt oft zu:

  1. Erbengemeinschaften (Der Streit-Klassiker): Dein Ehepartner und entfernte Verwandte besitzen plötzlich gemeinsam dein Haus. Keiner kann allein entscheiden, oft muss das Haus zwangsversteigert werden, um das Erbe auszuzahlen.
  2. Digitales Chaos: Ohne klare Anweisungen weiß niemand, wer deine Krypto-Wallet oder deine Cloud-Daten erben soll.
  3. Sorgerechts-Roulette: Das Familiengericht entscheidet, wer deine minderjährigen Kinder großzieht, nicht du.

Schritt 1: Bestandsaufnahme (Analog & Digital)

Du kannst nicht vererben, was du nicht kennst. Fang mit einer Liste an.

  • Physische Werte: Immobilien, Autos, Schmuck, Kunst.
  • Finanzielle Werte: Bankkonten, Aktien, Lebensversicherungen.
  • Digitale Werte: Das wird oft vergessen. Dazu gehören Kryptowährungen, Domains, E-Books und umsatzgenerierende Online-Konten (Affiliate, Creator-Einnahmen).

Tipp: Schreibe keine Passwörter direkt ins Testament (Testamente werden oft öffentlich verlesen!). Nutze dafür einen separaten Passwort-Manager und verweise im Testament darauf.

Schritt 2: Erben bestimmen (Wer bekommt was?)

Sei präzise. Im deutschen Recht gibt es einen wichtigen Unterschied:

  • Der Erbe (Gesamtrechtsnachfolge): Er tritt in deine Fußstapfen. Er bekommt alles (Vermögen UND Schulden) und muss sich um die Abwicklung kümmern.
  • Das Vermächtnis: Du willst, dass deine Nichte Sarah nur die goldene Uhr bekommt, aber mit dem Rest nichts zu tun hat? Das ist ein Vermächtnis.

Der digitale Erbe: Wer soll deine Daten erben? Bestimme explizit, wer Zugriff auf deine E-Mails und Clouds erhalten soll.

Schritt 3: Testamentsvollstrecker ernennen

Das ist der Projektmanager deines Nachlasses. Wenn du ein Testament schreibst, kannst du jemanden bestimmen, der die Bürokratie erledigt. Diese Person bezahlt letzte Rechnungen, kündigt Abos und verteilt das Erbe.

  • Ideal: Ein vertrauenswürdiges Familienmitglied oder ein professioneller Testamentsvollstrecker.
  • Aufgabe: Stelle sicher, dass diese Person Zugriff auf deinen Digitalen Notfallkoffer hat.

Schritt 4: Sorgerechtsverfügung für Eltern

Sorgerechtsverfügung im Testament schreiben zum Schutz der Kinder und Familie

Wenn du minderjährige Kinder hast, ist das der wichtigste Teil. Bestimme einen Vormund (und einen Ersatzvormund). Tust du das nicht, entscheidet das Familiengericht nach eigenen Kriterien, die vielleicht nicht mit deinen Erziehungswerten übereinstimmen.

Hinweis: Dies kann im Testament stehen oder als separates Dokument verfasst werden.

Schritt 5: Die „Digitale Klausel“ (Wichtig für moderne Testamente)

Standard-Vorlagen ignorieren oft das Internet. Um Konflikte mit dem Fernmeldegeheimnis zu vermeiden, solltest du deinen „Digitalen Nachlass“ explizit erwähnen. Diese Person ist berechtigt, meine digitale Präsenz zu verwalten, einzusehen und zu löschen. Dies ist besonders wichtig, seit das BGH Urteil zum digitalen Nachlass klargestellt hat, dass Erben auch Zugriff auf private Social-Media-Konten haben.“

Formulierungs-Beispiel:

„Ich ordne an, dass mein gesamter digitaler Nachlass (alle Online-Konten, Daten, Hardware und Social-Media-Profile) an [Name der Person] übergeht. Diese Person ist berechtigt, meine digitale Präsenz zu verwalten, einzusehen und zu löschen.“

Schritt 6: Die Formvorschriften (Die größte Falle in Deutschland)

Hier scheitern die meisten. In Deutschland gibt es zwei Wege zum gültigen Testament. Ein Computerausdruck mit Unterschrift ist UNGÜLTIG!

Option A: Das eigenhändige Testament (Privatschriftlich)

  • Muss von Anfang bis Ende handschriftlich von dir geschrieben sein.
  • Muss Ort und Datum enthalten.
  • Muss mit vollem Namen unterschrieben sein.
  • Kein Computer, keine Schreibmaschine!

Option B: Das notarielle Testament (Öffentlich)

  • Du erklärst deinen letzten Willen vor einem Notar.
  • Vorteil: Der Notar prüft die Geschäftsfähigkeit und formuliert rechtssicher. Zudem ersetzt das notarielle Testament oft den teuren Erbschein, was deinen Erben später Geld spart.

Schritt 7: Die rechtssichere Aufbewahrung (Damit dein Wille zählt)

Ein verlorenes Dokument ist so viel wert wie gar kein Dokument. Wenn du dein Testament schreiben lässt, ist der letzte und entscheidende Schritt der Schutz vor Verlust oder Vernichtung. In Deutschland hast du dafür zwei wesentliche Optionen:

  • Option A: Die amtliche Verwahrung (Empfohlen) Du kannst dein eigenhändiges Testament beim Amtsgericht in die amtliche Verwahrung geben. Dies kostet 2026 eine einmalige Pauschalgebühr von ca. 75 €. Der Vorteil: Das Testament wird automatisch im Zentralen Testamentsregister registriert. Im Todesfall wird das Nachlassgericht vom Standesamt informiert und dein Testament wird garantiert eröffnet. Es kann nicht „versehentlich“ verschwinden.
  • Option B: Das notarielle Testament Wenn du dein Testament schreiben und direkt von einem Notar beurkunden lässt, wandert dieses Dokument automatisch in die amtliche Verwahrung. Das notarielle Testament ersetzt zudem oft den teuren Erbschein, was deinen Erben später viel Zeit und Geld spart.
  • Option C: Aufbewahrung zu Hause (Riskant) Du kannst dein Testament natürlich auch im heimischen Tresor lagern. Das ist zwar kostenlos, birgt aber das Risiko, dass es im Ernstfall nicht gefunden wird oder – im schlimmsten Fall – von jemandem unterschlagen wird, der mit dem Inhalt nicht einverstanden ist.

Checkliste: Ist dein Testament gültig?

  • Ist es komplett handschriftlich verfasst (oder vom Notar beurkundet)?
  • Sind Ort und Datum angegeben?
  • Ist es mit Vor- und Zuname unterschrieben?
  • Ist ein Testamentsvollstrecker benannt (optional, aber empfohlen)?
  • Ist die „Digitale Klausel“ enthalten?
  • Hast du (als Elternteil) einen Vormund benannt?

Häufige Fragen zum Thema Testament schreiben

Was ist ein Berliner Testament und ist es sinnvoll? Das Berliner Testament ist bei Ehepaaren beliebt, da sie sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Doch Vorsicht: Rechtsexperten warnen oft vor der klassischen Form, da sie zur Steuerfalle werden kann. Da die Kinder im ersten Erbfall nichts erhalten, verschenkst du wertvolle Freibeträge (bis zu 400.000 € pro Kind). Bei größeren Vermögen oder Immobilien kann das später zu einer hohen Erbschaftssteuer-Last für deine Kinder führen. Eine flexiblere Lösung, wenn du dein Testament schreiben möchtest, ist das sogenannte Supervermächtnis, das Steuervorteile mit der Absicherung des Partners kombiniert.

Kann ich mein Testament ändern?
Ja, jederzeit. Du kannst das alte vernichten oder ein neues schreiben mit dem Satz: „Hiermit widerrufe ich alle früheren Verfügungen.“ Das Testament mit dem aktuellsten Datum zählt.

Was ist mit meinen Passwörtern?
Schreibe niemals Passwörter direkt ins Testament. Nutze einen Passwort-Manager und regle den Zugriff über eine Vollmacht oder den Notfallzugriff.
Lies mehr dazu in unserem Guide: Passwörter sicher vererben

Nächster Schritt

Jetzt kennst du die rechtlichen Grundlagen. Kümmere dich nun um die technische Seite. Lerne genau, wie du das wichtigste Konto von allen regelst: Google Konto vererben.


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