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Digitaler Nachlass: 7 sichere Wege zur Vorsorge

Digitaler Nachlass: 7 sichere Wege zur Vorsorge

Das Thema digitaler Nachlass wird oft unterschätzt, doch stell dir vor, du bist nicht mehr da. Deine Familie trauert – und steht plötzlich vor einem verschlossenen digitalen Tresor: Über 100 Online-Konten, tausende Familienfotos in der Cloud und vielleicht Kryptowährungen im Wert von mehreren tausend Euro – alles unerreichbar.

Ohne Passwörter wird dein digitales Leben zur Blackbox. Abos plündern weiter das Bankkonto, emotionale E-Mails bleiben ungelesen und Vermögenswerte wie Bitcoin können für immer verloren gehen. Schätzungen zufolge gehen weltweit jedes Jahr Milliarden an digitalen Werten verloren, einfach weil niemand den Schlüssel hatte.

Frau öffnet leuchtende Box als Symbol für den digitalen Nachlass und wertvolle Online-Daten

Das muss nicht so sein. Deinen digitalen Nachlass zu regeln, ist einfacher als du denkst. Dieser Guide ist deine Zentrale, um dein digitales Erbe zu sichern – Schritt für Schritt.

Was gehört alles zum digitalen Nachlass?

Dein digitaler Nachlass ist mehr als nur Facebook. Er umfasst jeden einzelnen digitalen Fußabdruck, den du hinterlässt.

Definition: Der digitale Nachlass umfasst alle digitalen Daten, Online-Konten und Hardware, die nach dem Tod einer Person zurückbleiben.

Heute hinterlässt der durchschnittliche Deutsche über 90 Online-Konten. Dazu gehören:

  • Social Media: Facebook, Instagram, LinkedIn, TikTok.
  • Kommunikation: E-Mail-Konten (GMX, Web.de, Gmail), Messenger (WhatsApp, Signal).
  • Finanzen: Online-Banking, PayPal, Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum) und NFT-Sammlungen.
  • Erinnerungen: Fotos und Videos in Clouds (iCloud, Google Drive, Dropbox).
  • Unterhaltung: Streaming-Abos (Netflix, Spotify), Gaming-Bibliotheken (Steam, PSN).
  • Web-Präsenz: Eigene Domains, Blogs und Hosting-Verträge.

Warum die Vorsorge für den digitalen Nachlass so wichtig ist

Die meisten denken: „Meine Familie wird das schon regeln.“ Aber die Realität beim Thema digitaler Nachlass ist oft brutal.

  1. Finanzieller Verlust: Laufende Abos (Netflix, Software-Lizenzen, Server) verursachen weiter Kosten, wenn sie nicht gekündigt werden. Ohne Zugangsdaten ist die Kündigung oft ein bürokratischer Albtraum.
  2. Verlorene Erinnerungen: Wenn deine Familie keinen Zugriff auf deine Cloud hat, könnten Jahre an Urlaubsfotos und Videos deiner Kinder wegen Inaktivität oder fehlender Zahlung gelöscht werden.
  3. Identitätsdiebstahl: Ungepflegte Social-Media-Profile sind ein gefundenes Fressen für Hacker, die die Identität von Verstorbenen missbrauchen.

„Ohne Plan brauchen Angehörige oft Monate, um Zugriff auf Konten zu erhalten – wenn überhaupt. Selbst mit Sterbeurkunde ist der Prozess zermürbend.“

Die Rechtslage: AGB vs. Datenschutz

Viele glauben, dass die nächsten Angehörigen automatisch Zugriff auf alle digitalen Konten erben. Das ist ein gefährlicher Irrtum.

Das Problem: Datenschutz & US-Konzerne
Die meisten Tech-Giganten (Google, Meta, Apple) sitzen in den USA und haben strenge Datenschutzrichtlinien und eigene Nutzungsbedingungen (AGB). Diese besagen oft, dass dein Konto nicht übertragbar ist und mit dem Tod endet.

Der Lichtblick in Deutschland: Das BGH-Urteil 2018
In Deutschland hat der Bundesgerichtshof (BGH) 2018 entschieden: Der digitale Nachlass ist dem analogen Erbe gleichgestellt (Az. III ZR 183/17). Das bedeutet: Erben treten in alle Verträge ein.

Die Hürde: Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Schuhe. Auch wenn das Gesetz auf deiner Seite ist, verweigern Tech-Firmen oft den Zugriff mit Verweis auf den „Schutz des Fernmeldegeheimnisses“. Ohne Passwort müssen deine Erben oft monatelang mit dem Support kämpfen oder klagen.
Deshalb ist eine technische Lösung immer besser als eine rein rechtliche.

Digitalen Nachlass regeln – Schritt für Schritt

Du musst nicht alles auf einmal machen. Folge diesem Fahrplan, um dein Erbe zu sichern.

Schritt 1: Mach eine Bestandsaufnahme

Du kannst nicht vererben, was du nicht kennst. Erstelle eine Übersicht deiner Konten. Checke deinen E-Mail-Posteingang nach „Willkommen“- oder „Rechnung“-Mails, um vergessene Accounts zu finden.

Schritt 2: Bestimme einen Verwalter für deinen digitalen Nachlass

Wähle eine Vertrauensperson, die für deinen digitalen Nachlass verantwortlich sein soll.. Das kann ein Familienmitglied, ein Freund oder sogar ein Profi sein.

Schritt 3: Entscheide pro Konto

Überlege dir für deinen digitalen Nachlass: Sollen Profile gelöscht werden (z.B. Dating-Apps), in einen Gedenkzustand versetzt werden (Social Media) oder vererbt werden (Foto-Clouds, Krypto)?

Schritt 4: Sichere deine Passwörter (Der Hauptschlüssel)

Die beste Lösung ist ein Passwort-Manager wie Bitwarden oder 1Password. Richte dort den „Notfallzugriff“ (Emergency Access) ein, damit deine Vertrauensperson nach einer Wartezeit die Schlüssel erhält.

Schritt 5: Aktiviere die Nachlass-Funktionen der Plattformen

Nutze die eingebauten Tools wie Googles „Kontoinaktivität-Manager“ oder Apples „Nachlasskontakt“. Das ist der zuverlässigste technische Weg, weil er Passwörter und Erbscheine überflüssig macht.

Schritt 6: Die rechtliche Absicherung (Vollmacht)

Ein Testament wird oft zu spät eröffnet. Stelle sicher, dass du eine Vorsorgevollmacht hast, die explizit „digitale Angelegenheiten“ und den „Verzicht auf das Fernmeldegeheimnis“ einschließt. Ohne diesen Passus dürfen Provider deinen Erben oft keine E-Mails aus deinem digitalen Nachlass zeigen.

Schritt 7: Smartphone-PIN offline lagern

Ohne die PIN scheitert selbst der beste Plan, weil die 2-Faktor-Authentifizierung (SMS-Codes) nicht funktioniert. Hinterlege diese PIN in deinem Passwort-Manager oder einem physischen Tresor.

Digitaler Nachlass bei Google, Facebook & Co.

Jede Plattform geht anders mit dem Tod um. Hier ist ein schneller Überblick, was du jetzt tun musst.

Facebook & Instagram

  • Das Feature: „Nachlasskontakt“.
  • Was es tut: Du bestimmst einen Freund, der dein Profil verwalten kann (Beiträge anpinnen, Profilbild ändern), nachdem du verstorben bist, oder beantragst die Löschung.
  • Aktion: Gehe zu Einstellungen -> Gedenkzustand.
  • Mehr dazu: Facebook & Instagram nach dem Tod

Google (Gmail, Drive, YouTube)

  • Das Feature: „Kontoinaktivität-Manager“.
  • Was es tut: Wenn du dich X Monate nicht einloggst, benachrichtigt Google automatisch deine Vertrauenspersonen und gibt ihnen Zugriff auf Daten, die du ausgewählt hast (Fotos, E-Mails, Dokumente).
  • Aktion: Richte das sofort ein. Es ist der einzige zuverlässige Weg für dein Google-Erbe.
  • Mehr dazu: Google Konto vererben

Digitaler Nachlass und Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum)

  • Die Gefahr: Es gibt keinen „Passwort vergessen“-Button. Wenn deine Erben deinen Private Key oder die Seed Phrase nicht haben, ist das Geld weg.
  • Aktion: Speichere Seed Phrases niemals digital. Nutze eine Hardware-Wallet und lagere den Backup-Code (auf Papier oder Stahl) in einem Bankschließfach.
  • Mehr dazu: Krypto vererben: So sicherst du deine Assets

WhatsApp & Messenger

  • Das Problem: Chats sind verschlüsselt und liegen auf dem Gerät. Ohne Handy-PIN ist dieser Teil vom digitalen Nachlass oft für immer verloren.
  • Aktion: Hinterlege diese PIN für deinen digitalen Nachlass in deinem Passwort-Manager
  • Mehr dazu: WhatsApp & Messenger Nachlass

Zusammenfassung: Deine Checkliste

Nutze diese Liste, um deinen Fortschritt zu tracken.

✅ Priorität 1: Die Basics (Mach das heute)

  • Bestimme einen Verwalter (Vertrauensperson) für deinen digitalen Nachlass.
  • Richte den Notfallzugriff in deinem Passwort-Manager ein.
  • Aktiviere den Google Kontoinaktivität-Manager.
  • Richte den Facebook Nachlasskontakt ein.

✅ Priorität 2: Dokumentation (Mach das diese Woche)

  • Erstelle eine einfache Inventarliste der wichtigsten Konten (Banking, E-Mail, Krypto).
  • Stelle sicher, dass deine Familie weiß, wo sie deine Smartphone-PIN findet.
  • Prüfe, ob deine Vorsorgevollmacht den Passus für „digitale Vermögenswerte“ enthält.

✅ Priorität 3: Pflege (Mach das jährlich)

  • Aktualisiere deinen Passwort-Manager.
  • Prüfe, ob deine Vertrauensperson noch die richtige Wahl ist.
  • Lösche ungenutzte Konten, um deinen digitalen Fußabdruck zu verkleinern.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich meinen digitalen Nachlass im Testament regeln?
Ja, aber Testamente werden oft erst nach Wochen eröffnet. Für dringende Dinge (Abos, laufende Kosten) ist eine transmortale Vollmacht viel schneller und effektiver. Zudem gehören Passwörter niemals direkt ins Testament, da dieses öffentlich werden kann.

Braucht meine Familie meine Passwörter?
Idealerweise ja. Zwar haben Erben in Deutschland laut BGH das Recht auf Zugriff, aber das Passwort (via Passwort-Manager) erspart ihnen monatelange Kämpfe mit dem Kundensupport und Datenschutzrichtlinien.

Was passiert, wenn ich nichts tue?
Deine Konten werden entweder zu „Geisterprofilen“, wegen Inaktivität gelöscht oder verursachen weiter Kosten, bis das Bankkonto gesperrt wird. Wertvolle Daten und Vermögenswerte können für immer verloren gehen.

Fazit: Handle jetzt, schieb es nicht auf

Digitaler Nachlass ist kein Thema des Todes, sondern der Selbstbestimmung. Es stellt sicher, dass deine Erinnerungen bewahrt werden, deine Werte sicher sind und deine Familie in ihrer Trauer nicht auch noch einen bürokratischen Krieg führen muss.

Du musst nicht alles heute lösen. Fang mit dem wichtigsten Schritt an: Richte den Notfallzugriff in deinem Passwort-Manager ein.

„Dein digitales Leben ist wertvoll – sorge dafür, dass es in guten Händen bleibt.“


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Empfehlung: Ich empfehle jedem Leser ausdrücklich, eigene Recherchen anzustellen und bei Bedarf eine rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen, die auf die individuelle Situation zugeschnitten ist.